AKTUELLES

80. Jahrestag der Zerstörung
der Synagogen in Deutschland

Westfälische Rundschau 10.11.2018 - Zum Vergrößern bitte anklicken.

Westfälische Rundschau 10.11.2018 – Zum Vergrößern bitte anklicken.

Foto (Wilfried Lerchstein): Aktives Museum und Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit erinnerten gemeinsam.

Foto (Wilfried Lerchstein): Aktives Museum und Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit erinnerten gemeinsam.

Foto (Wilfried Lerchstein): Vorführung der Bilderserie zur niederbrennenden Synagoge im Aktiven Museum.

Foto (Wilfried Lerchstein): Vorführung der Bilderserie zur niederbrennenden Synagoge im Aktiven Museum.

Foto (Hans Walter Klein): Das Original des Thorarollen-Fragments wurde erstmalig gezeigt.

Foto (Hans Walter Klein): Das Original des Thorarollen-Fragments wurde erstmalig gezeigt.

Aktives Museum auf jüdischen Spuren in Marburg

(Bilder unterhalb des Beitrags)

Die Neue Synagoge, die Oberstadt und der Alte Jüdische Friedhof
waren Orte der Besichtigung
Auf Einladung des Vereins Aktives Museum Südwestfalen unternahm am Sonntag,
15. April, eine zwanzigköpfige Gruppe aus Bad Laasphe, Freudenberg, Netphen und
Siegen eine Studienfahrt ins „jüdische“ Marburg.
Sachkundig begleitet wurde sie von der
Staufenberger Stadtarchivarin Barbara Wagner.
Zunächst stand der Besuch der seit 2003 bestehenden Neuen Synagoge
in der Liebigstraße 21a an.
Das Gebäude wurde in den 1930er Jahren
von der Allgemeinen Ortskrankenkasse errichtet,
in den 1960er Jahren zog ein Lebensmittelmarkt ein
und nun beherbergt es die 320 Personen zählende Jüdische Gemeinde.
1905 hatte die Gemeinde 512 Mitglieder,
von denen nach dem Holocaust gerade einmal 30 übrig blieben.
Der Zuzug jüdischer Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion
erforderte eine neue, größere Synagoge.
Die nächste Besuchsstation war der von der Stadt Marburg
2012 eröffnete Garten desGedenkens in der Universitätsstraße.
Bis zu ihrer Zerstörung am 10. November 1938
stand an diesem Ort die Synagoge der Jüdischen Gemeinde.
Heute ist es ein Platz zum Verweilen
und zur Auseinandersetzung mit den Nazi-Verbrechen.
Neben in die Grasfläche eingelassenen Zeitzeugenberichten
sind die Überreste der Mikwe zu besichtigen.
Der Gang durch die Oberstadt verlief entlang ehemaliger Geschäfte
jüdischer Eigentümer und der vor den Häusern verlegten Stolpersteine.
Am Schloßsteig 6, bis 1933 Judengasse,
sind die Überbleibsel der zweiten Marburger Synagoge aus der frühen Neuzeit zu betrachten.
Den Abschluss der Exkursion bildete ein Besuch des Alten Jüdischen Friedhofs. Die
letzten Bestattungen vor Beginn der Deportationen fanden 1942 statt.
Unter den mehr als 300 Grabstellen
befinden sich auch zahlreiche der nach 1989 eingewanderten Gemeindemitglieder aus der Ex-UdSSR.
Inzwischen werden alle Verstorbenen auf städtischen Friedhöfen beigesetzt.
1

Erläuterung einer Torahrolle durch Vorbeter Thorsten Schmermund

2

Von der Philipps-Universität errichteter Erinnerungsstein

3

Alter Jüdischer Friedhof

Bücherverbrennung

Sanary-sur-Mer I

 

Sanary-sur-Mer II

Aktives Museum Südwestfalen feierte 20. Geburtstag

Die stellvertretende Ministerpräsidentin und Schulministerin Sylvia Löhrmann hielt anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Aktiven Museums am 9. November im vollbesetzten Ratssaal in Siegen die Festansprache. Dabei ging sie u. a. auf die Arbeit der 26 NRW-Gedenkstätten ein. Sie lobte das AMS als ehrenamtlichen außerschulischen Lernort im Kreis Siegen-Wittgenstein. Erinnerungsarbeit sei ein Schwerpunkt ihrer Arbeit als Schulministerin.

Zu Beginn hatte Bürgermeister Steffen Mues nicht mit Lob für das langjährige bürgerschaftliche Engagement des Vorstands gespart.

Vereinsvorsitzender und Museumsleiter Klaus Dietermann sprach in seinem Vortrag „Ein Ort des Erinnerns“ über das oft mühselige Unterfangen der regionalen Erinnerungskultur.

Eine 64-seitige Broschüre „Aktives Museum Südwestfalen 1996 – 2016 – Das zweite Jahrzehnt kann über das Museum kostenlos bezogen werden.

Fr. Löhrmann 9.11.16

Festansprache Frau Löhrmann – Foto H.-W. Klein

NRW-Landtagspräsidentin im AMS

Carina Gödecke, Präsidentin des Landtags, besuchte Ende Juni das Aktive Museum Südwestfalen in Siegen am Obergraben. Der Vorstand des Fördervereins hatte sie eingeladen, um ihr die 20-jährige Geschichte des Dokumentations- und Lernortes für regionale Zeitgeschichte am Platz der Synagoge nahe zu bringen. Den Termin hatte die heimische SPD-Landtagsabgeordnete Tanja Wagener vermittelt.

Klaus Dietermann, seit Gründung des Museums Leiter des AMS, erläuterte der Landtagspräsidentin die Konzeption der Ausstellung. Er hob hervor, dass die Einrichtung vor allem von Schulklassen als außerschulischer Lernort morgens genutzt werde. Weiterhin erläuterte er die Ausbaupläne für das Museum im kommenden Frühjahr und damit auch die Ideen für eine Erneuerung der Dokumentation in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Geschichte der Universität Siegen.

Frau Gödecke erwies sich als profunde Kennerin der Thematik der NRW-Erinnerungsarbeit. Mit dem AMS in Siegen hatte sie bereits den sechsten Gedenkort der insgesamt 26 NRW-Gedenkstätten besucht. Sie lobte ausdrücklich die dezentrale Erinnerungsarbeit der sehr unterschiedlich ausgerichteten Einrichtungen in unserem Bundesland. Abschließend versprach sie, bei der Beschaffung von Geldquellen für die Inneneinrichtung nach der Erweiterung des AMS im kommenden Jahr behilflich zu sein.

Museumsleiter Klaus Dietermann, Landtagspräsidentin Carina Gödecke, Vorstandsmitglied Traute Fries und Tanja Wagener (MdL/SPD)

 

 

Zwei neue Stolpersteine in Siegen-Weidenau

Im Beisein einer Schulklasse aus Ramot Yam (Israel) und der Partnerklasse des Ev. Gymnasiums wurden im Juni 2016 zwei weitere Stolpersteine unter der Hüttentalstraße in Buschgotthardshütten verlegt. Sie erinnern an Berta Hoppensack und ihren Sohn Otto. Traute Fries, Vorstandsmitglied des Aktiven Museums Südwestfalen, trug die Biografien der beiden NS-Opfer vor, die sie recherchiert hatte. Eine israelische Lehrerin übersetzte den Vortrag in die hebräische Sprache.

Berta Hoppensack führte nach dem Tod ihres Mannes (1872-1927) die Gaststätte bis 1931/32 weiter. Berta wurde ein Opfer der „Euthanasie“. Zuerst eingeliefert in die Provinzialanstalt Warstein, wurde sie im Juli 1941 in die Anstalt nach Hadamar verlegt und dort vergast. Sohn Otto Hoppensack, geboren 1902 in Weidenau, wurde im Juni 1941 aufgrund einer „progressiven Paralyse“ (Lähmung, Muskel- und Nervenerkrankung) in die Heilanstalt Warstein eingewiesen. Er verstarb dort am 16. Juli 1941 (Suizid durch Erhängen).

Die beiden Stolpersteine wurden durch Mitarbeiter der Jugendzentrums Blue Box der Stadt Siegen verlegt. Damit wurden bisher 98 Stolpersteine des Kölner Künstlers Gunter Demnig in Siegen verlegt. Die Spenderin der Erinnerungssteine möchte anonym bleiben.

Vorstandsmitglied Traute Fries trägt die Biografien vor.

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