AKTUELLES

Aktives Museum auf jüdischen Spuren in Bad Laasphe

Die Altstadt mit der ehemaligen Synagoge
und der Jüdische Friedhof waren Orte der Besichtigung.

Auf Einladung des Vereins Aktives Museum Südwestfalen unternahm eine Gruppe aus Hilchenbach und Siegen eine Studienfahrt ins „jüdische“ Bad Laasphe. Sachkundig begleitet wurde sie vom Vorsitzenden des Freundeskreis für christlich-jüdische Zusammenarbeit Rainer Becker.

Seit 2006 wurden in Bad Laasphe 85 Stolpersteine für jüdische NS-Opfer und so genannte Zigeuner verlegt. Im April 1942 wurden 47 jüdische Bürger in das Ghetto Zamosc und im Juli 1942 19, vorwiegend ältere jüdische Menschen, in das Ghetto Theresienstadt deportiert, von denen niemand zurückkehrte.

Auf Einladung des Vereins Aktives Museum Südwestfalen unternahm eine Gruppe aus Hilchenbach und Siegen eine Studienfahrt ins „jüdische“ Bad Laasphe. Sachkundig begleitet wurde sie vom Vorsitzenden des Freundeskreis für christlich-jüdische Zusammenarbeit Rainer Becker.

Seit 2006 wurden in Bad Laasphe 85 Stolpersteine für jüdische NS-Opfer und so genannte Zigeuner verlegt. Im April 1942 wurden 47 jüdische Bürger in das Ghetto Zamosc und im Juli 1942 19, vorwiegend ältere jüdische Menschen, in das Ghetto Theresienstadt deportiert, von denen niemand zurückkehrte.

 

img12

Bei ihrem Rundgang erfuhren die Teilnehmer Wissenswertes über das Leben der Familien Beifus, Präger, Gunzenhäuser, Hony, Brill, Marburger (Stolpersteine Königstraße 23) und Hess. In den USA und Israel Lebende, in der Lahnstadt Geborene, besuchten über die Jahre ihre ehemalige Heimatstadt.

img13

Herbert Präger, Sohn des letzten Synagogenvorstehers und Auschwitz-Häftling mit der Nummer 105010, der, wie seine Schwester Hannelore, das Lager überlebt hatte, enthüllte 1992 das Schild für die seinem Vater gewidmete Straße.

Seit Mitte des 18. Jahrhunderts unterhielt die jüdische Gemeinde bis zu ihrer Auslöschung durch das NS-Regime ein Gebäude in der Mauerstraße, das sowohl Synagoge als auch Schulort war. In der Pogromnacht wurden das Inventar und die Thorarollen auf dem Vorplatz verbrannt; das Gebäude wurde aber nicht in Brand gesetzt, um ein Übergreifen der Flammen auf die Nachbarhäuser zu verhindern. Über Jahrzehnte befand sich im Haus eine Schlosserei.

Nach dem Erwerb durch den Freundeskreis für christlich-jüdische Zusammenarbeit konnte die Besuchergruppe einen ersten Blick in das Gebäude werfen, bevor die Renovierungsarbeiten zur Errichtung einer Gedenkstätte und eines außerschulischen Lernorts anstehen.

img15   img16

Auf diesem Foto hinten sieht man, dass die Synagoge einst Rundbogenfenster hatte.

Zum Abschluss der Exkursion stand der Besuch des seit 1750 bestehenden jüdischen Friedhofs im Puderbacher Weg an, der aus drei Gräberfeldern besteht, und auf dem alle Juden aus dem südlichen Teil Wittgensteins bestattet wurden. 2006 wurde dort der Holocaust-Überlebende Herbert Moses beerdigt.

img17

Der Zahn der Zeit nagt auch an den Grabsteinen.

Text und Fotos: Klaus Merklein (Aktives Museum Südwestfalen)

 

Aktives Museum auf jüdischen Spuren in Marburg

(Bilder unterhalb des Beitrags)

Die Neue Synagoge, die Oberstadt und der Alte Jüdische Friedhof
waren Orte der Besichtigung
Auf Einladung des Vereins Aktives Museum Südwestfalen unternahm am Sonntag,
15. April, eine zwanzigköpfige Gruppe aus Bad Laasphe, Freudenberg, Netphen und
Siegen eine Studienfahrt ins „jüdische“ Marburg.
Sachkundig begleitet wurde sie von der
Staufenberger Stadtarchivarin Barbara Wagner.
Zunächst stand der Besuch der seit 2003 bestehenden Neuen Synagoge
in der Liebigstraße 21a an.
Das Gebäude wurde in den 1930er Jahren
von der Allgemeinen Ortskrankenkasse errichtet,
in den 1960er Jahren zog ein Lebensmittelmarkt ein
und nun beherbergt es die 320 Personen zählende Jüdische Gemeinde.
1905 hatte die Gemeinde 512 Mitglieder,
von denen nach dem Holocaust gerade einmal 30 übrig blieben.
Der Zuzug jüdischer Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion
erforderte eine neue, größere Synagoge.
Die nächste Besuchsstation war der von der Stadt Marburg
2012 eröffnete Garten desGedenkens in der Universitätsstraße.
Bis zu ihrer Zerstörung am 10. November 1938
stand an diesem Ort die Synagoge der Jüdischen Gemeinde.
Heute ist es ein Platz zum Verweilen
und zur Auseinandersetzung mit den Nazi-Verbrechen.
Neben in die Grasfläche eingelassenen Zeitzeugenberichten
sind die Überreste der Mikwe zu besichtigen.
Der Gang durch die Oberstadt verlief entlang ehemaliger Geschäfte
jüdischer Eigentümer und der vor den Häusern verlegten Stolpersteine.
Am Schloßsteig 6, bis 1933 Judengasse,
sind die Überbleibsel der zweiten Marburger Synagoge aus der frühen Neuzeit zu betrachten.
Den Abschluss der Exkursion bildete ein Besuch des Alten Jüdischen Friedhofs. Die
letzten Bestattungen vor Beginn der Deportationen fanden 1942 statt.
Unter den mehr als 300 Grabstellen
befinden sich auch zahlreiche der nach 1989 eingewanderten Gemeindemitglieder aus der Ex-UdSSR.
Inzwischen werden alle Verstorbenen auf städtischen Friedhöfen beigesetzt.
1

Erläuterung einer Torahrolle durch Vorbeter Thorsten Schmermund

2

Von der Philipps-Universität errichteter Erinnerungsstein

3

Alter Jüdischer Friedhof

Bücherverbrennung

Sanary-sur-Mer I

 

Sanary-sur-Mer II

Aktives Museum Südwestfalen feierte 20. Geburtstag

Die stellvertretende Ministerpräsidentin und Schulministerin Sylvia Löhrmann hielt anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Aktiven Museums am 9. November im vollbesetzten Ratssaal in Siegen die Festansprache. Dabei ging sie u. a. auf die Arbeit der 26 NRW-Gedenkstätten ein. Sie lobte das AMS als ehrenamtlichen außerschulischen Lernort im Kreis Siegen-Wittgenstein. Erinnerungsarbeit sei ein Schwerpunkt ihrer Arbeit als Schulministerin.

Zu Beginn hatte Bürgermeister Steffen Mues nicht mit Lob für das langjährige bürgerschaftliche Engagement des Vorstands gespart.

Vereinsvorsitzender und Museumsleiter Klaus Dietermann sprach in seinem Vortrag „Ein Ort des Erinnerns“ über das oft mühselige Unterfangen der regionalen Erinnerungskultur.

Eine 64-seitige Broschüre „Aktives Museum Südwestfalen 1996 – 2016 – Das zweite Jahrzehnt kann über das Museum kostenlos bezogen werden.

Fr. Löhrmann 9.11.16

Festansprache Frau Löhrmann – Foto H.-W. Klein

NRW-Landtagspräsidentin im AMS

Carina Gödecke, Präsidentin des Landtags, besuchte Ende Juni das Aktive Museum Südwestfalen in Siegen am Obergraben. Der Vorstand des Fördervereins hatte sie eingeladen, um ihr die 20-jährige Geschichte des Dokumentations- und Lernortes für regionale Zeitgeschichte am Platz der Synagoge nahe zu bringen. Den Termin hatte die heimische SPD-Landtagsabgeordnete Tanja Wagener vermittelt.

Klaus Dietermann, seit Gründung des Museums Leiter des AMS, erläuterte der Landtagspräsidentin die Konzeption der Ausstellung. Er hob hervor, dass die Einrichtung vor allem von Schulklassen als außerschulischer Lernort morgens genutzt werde. Weiterhin erläuterte er die Ausbaupläne für das Museum im kommenden Frühjahr und damit auch die Ideen für eine Erneuerung der Dokumentation in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Geschichte der Universität Siegen.

Frau Gödecke erwies sich als profunde Kennerin der Thematik der NRW-Erinnerungsarbeit. Mit dem AMS in Siegen hatte sie bereits den sechsten Gedenkort der insgesamt 26 NRW-Gedenkstätten besucht. Sie lobte ausdrücklich die dezentrale Erinnerungsarbeit der sehr unterschiedlich ausgerichteten Einrichtungen in unserem Bundesland. Abschließend versprach sie, bei der Beschaffung von Geldquellen für die Inneneinrichtung nach der Erweiterung des AMS im kommenden Jahr behilflich zu sein.

Museumsleiter Klaus Dietermann, Landtagspräsidentin Carina Gödecke, Vorstandsmitglied Traute Fries und Tanja Wagener (MdL/SPD)

 

 

Zwei neue Stolpersteine in Siegen-Weidenau

Im Beisein einer Schulklasse aus Ramot Yam (Israel) und der Partnerklasse des Ev. Gymnasiums wurden im Juni 2016 zwei weitere Stolpersteine unter der Hüttentalstraße in Buschgotthardshütten verlegt. Sie erinnern an Berta Hoppensack und ihren Sohn Otto. Traute Fries, Vorstandsmitglied des Aktiven Museums Südwestfalen, trug die Biografien der beiden NS-Opfer vor, die sie recherchiert hatte. Eine israelische Lehrerin übersetzte den Vortrag in die hebräische Sprache.

Berta Hoppensack führte nach dem Tod ihres Mannes (1872-1927) die Gaststätte bis 1931/32 weiter. Berta wurde ein Opfer der „Euthanasie“. Zuerst eingeliefert in die Provinzialanstalt Warstein, wurde sie im Juli 1941 in die Anstalt nach Hadamar verlegt und dort vergast. Sohn Otto Hoppensack, geboren 1902 in Weidenau, wurde im Juni 1941 aufgrund einer „progressiven Paralyse“ (Lähmung, Muskel- und Nervenerkrankung) in die Heilanstalt Warstein eingewiesen. Er verstarb dort am 16. Juli 1941 (Suizid durch Erhängen).

Die beiden Stolpersteine wurden durch Mitarbeiter der Jugendzentrums Blue Box der Stadt Siegen verlegt. Damit wurden bisher 98 Stolpersteine des Kölner Künstlers Gunter Demnig in Siegen verlegt. Die Spenderin der Erinnerungssteine möchte anonym bleiben.

Vorstandsmitglied Traute Fries trägt die Biografien vor.

Translate »