Dokumentations- und Lernort für regionale Zeitgeschichte am Platz der Synagoge Siegen

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„Fördervereins Aktives Museum Südwestfalen e. V.“.

Unser Verein wurde 1992 mit dem Ziel gegründet, einen Lern- und Gedenkort am Platz der Synagoge Siegen einzurichten. Unser bürgerschaftliches Engagement führte 1996 zum Erfolg. Wir dokumentieren seitdem die regionale NS-Geschichte mit dem Schwerpunkt „Jüdische Geschichte im Kreis Siegen-Wittgenstein“. Daneben zeigen wir auch andere Opfergruppen aus unserer Region, die unter dem NS-Terror zu leiden hatten. Wir erstellen ein Halbjahresprogramm mit Vorträgen, Stadterkundungen und Studienfahrten. Unser Verein umfasst derzeit rund 80 Mitglieder.

 

 

 

Aktives Museum Südwestfalen (AMS)

Die Idee zur Gründung eines Aktiven Museums Südwestfalen (AMS) wurde aufgrund einer temporären Ausstellung am 10. November 1991 geboren. Anlässlich der seit 1965 in Siegen stattfindenden Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an die Zerstörung der Synagogen in Deutschland, hatte ich, als Vorstandsmitglieder der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Siegerland e. V., drei Bunkerzellen für eine Installation vorbereitet. Die Räume trugen die Namen „Kristallnacht“, „Arisierung“ und „Vertreibung“. Nach der Gedenkstunde wurde der Wunsch nach einer immerwährenden Ausstellung im Luftschutzbunker laut. Dieser war 1940 auf den Grundmauern der Synagoge errichtet worden. Zusammen mit Interessierten gründete ich einen Förderkreis, der es sich zur Aufgabe machte, diesen Dokumentations- und Lernort für regionale Zeitgeschichte am Platz der Synagoge einzurichten. Es begannen vierjährige Verhandlungen mit der Stadt und dem Kreis (Besitzer der Bunkeranlage), um zum Ziel zu gelangen.

Das AMS wurde am 10. November 1996 in Siegen eröffnet. Zusammen mit einem Vorstandsmitglied des Fördervereins richtete ich die Dokumentation „Zur Geschichte der Juden in Stadt und Land Siegen“ ein. Da die Einrichtung in der Bevölkerung und bei Schulen regen Zuspruch fand, wurde im Jahr 2001 die Ausstellungsfläche auf rund 200 qm erweitert (gesamte untere Bunkeretage). Somit konnten in der Dauerausstellung weitere regionale Opfergruppen des Nationalsozialismus dargestellt werden: Sinti und Roma, Zwangsarbeiter, Zeugen Jehovas, Opfer der „Euthanasie“, politisch Verfolgte usw. Der Ausbau des AMS wurde jeweils zu 80% mit Hilfe von Landesmitteln und jeweils 10% finanzieller Unterstützung von Stadt Siegen und dem Kreis gefördert. Die Kosten für die Übernahme der Einrichtungsgegenstände übernahm der Förderkreis des Museums.

Als Lehrer für Deutsch- und Geschichte hatte ich bei der Vermittlung der NS-Geschichte immer wieder die Erfahrung gemacht, dass sich die Motivation der Schülerinnen und Schüler deutlich erhöhte, wenn regionale Themen im Unterricht behandelt wurden. Damit wurde Geschichte für die junge Generation be-„greifbarer“. Alles war vor Ort nachprüfbarer, erfahrbarer und damit authentischer. Außerdem kamen die Schülerinnen und Schüler dadurch mit ihren Eltern bzw. Großeltern („Miteinander der Generationen“) ins Gespräch.

Mit der Erweiterung zum Lern- und Gedenkort auch für andere Opfergruppen erhöhte sich die Attraktivität unserer Einrichtung im Jahr 2001 deutlich. An den beiden Öffnungstagen (sonntags und dienstags jeweils 15-18 Uhr; Eintritt frei) kamen jährlich rund 1 200 Interessierte. Morgens waren vor allem Schulklassen aus der Region unsere Gäste. Sie nutzen das AMS als außerschulischen Lernort. Das AMS ist in zahlreichen Schulprogrammen fest installiert, d. h. Klassen kommen regelmäßig in einer bestimmten Klassenstufe ins Museum. Die Klassen buchen neben einer Führung zumeist auch einen anschließenden alternativen Stadtrundgang durch die Innenstadt. Im letzten Jahr konnten wir mehr als 80 Gruppen begrüßen, darunter befanden sich 34 Schulklassen. Die Führungen erfolgen in der Regel durch Mitglieder des Vorstands des Museums, die teilweise im Rentenalter sind („Miteinander der Generationen“) oder auch durch Studierende. Vorstandsmitglieder besuchen auch als „Experten“ Schulklassen vor Ort auf. In vielen Schulprogrammen ist ein Besuch des Lern- und Gedenkortes am Platz der Synagoge fest verankert. Kooperationsvereinbarungen mit einzelnen Schulen aus der Region stehen bevor. Hinzu kamen regelmäßig Gruppen von Studentinnen oder Studenten der Universität Siegen (2014 -9 Studentengruppen). Mit der Universität Siegen haben wir im letzten Jahr auch eine Kooperationsvereinbarung abschließen können. Diese sieht eine Unterstützung des AMS durch eine fachwissenschaftliche Begleitung von Projekten sowie bei Ausstellungen im AMS vor (Prof.in Dr. Angela Schwarz). Fachdidaktische Beratung bei der Überarbeitung und Erweiterung des gedenkpädagogischen Angebots und der Ausstellung erhalten wir von Prof.in Dr. Bärbel Kuhn. Eine konzeptionelle und operative Unterstützung erhalten wir durch das ZIMT der Universität, Prof.in Dr. Sabine Roller, mit der wir zuletzt das Aktive Gedenkbuch des AMS erstellt haben, das seit dem 27. Januar 2015 online steht (www.aktives-gedenkbuch.de). Dieses Projekt wurde mit rund 9 000 € durch die Landeszentrale für politische Bildung NRW in Düsseldorf unterstützt.

Zukunftspläne: Erweiterung des AMS

Im letzten Jahr wechselte der Hochbunker seinen Besitzer. Der Kreis Siegen-Wittgenstein verkaufte den Bunker an ein hiesiges Firmenkonsortium, das ebenfalls das Kreisklinikum Siegen sowie das Untere Schloss der Stadt erwarb, um darin Vorlesungsräume, Verwaltungsräume, Studentenzimmer usw. zu errichten. Damit sind Teile der Universität 2015 in die Innenstadt gezogen. Die o. a. Räumlichkeiten wurden für 20 Jahre an die Universität Siegen vermietet. Das Firmenkonsortium bot dem Förderkreis des Museums zur Nutzung die zweite Etage des Hochbunkers (wiederum 200 qm) zur kostenlosen Nutzung zunächst auf 20 Jahre an, mit der Option auf eine zweimal 10-jährige Verlängerung. Der Vorstand des AMS hat dieses großzügige Angebot angenommen. Unsere Planungen für die zweite Etage sind:

Seminarraum

Hier bietet sich die einmalige Chance, die ehrenamtliche Arbeit engagierter Bürgerinnen und Bürger für den Lern- und Gedenkort weiter fortzuführen. Es ist geplant, in der zweiten Etage einen Seminarraum einzurichten. Dieser soll der Vorbereitung bzw. Nachbereitung von Schulklassen bzw. Studentengruppen dienen, was bisher nur in der Ausstellung teilweise möglich war. Darüber hinaus sollen Workshops für Schulklassen und Studentengruppen angeboten werden. Das ist auch ein Punkt in der geschlossenen Kooperationsvereinbarung zwischen Universität und AMS.

Zudem ist in dieser Vereinbarung auch der Kreis Siegen-Wittgenstein beteiligt, der mit dem Kreisarchiv sowie dem Schulamt (Kompetenzteam Lehrerfortbildung) Vertragspartner ist.

Raum für Wechselausstellungen

Seit Bestehen des AMS 1996 erarbeiteten wir anlässlich des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus eine Dokumentation zur regionalen Geschichte. Dies war im vorletzten Jahr eine Dokumentation zu den regionalen Opfern der Euthanasie, im letzten Jahr war es eine Darstellung aller politischen Denkmäler in der Stadt Siegen, im kommenden Jahr wird es eine Dokumentation über Walter Krämer sein. Weiterhin haben wir alljährlich im Herbst eine Wechselausstellung gezeigt. Im letzten Jahr beispielsweise die eindrucksvollen Gemälde des Düsseldorfer Malers Otto Pankok. Für diese Wechselausstellungen mussten wir jedes Mal die Dauerausstellung „Widerstand und Verfolgung im Kreis Siegen-Wittgenstein“ abbauen, einlagern und wieder aufbauen. Durch Schaffung eines Raums für diese Wechselausstellungen in der zweiten Etage entfallen die aufwändigen Umbauarbeiten, zudem können die Besucherinnen und Besucher die Dauerausstellung weiter besichtigen. Weiterhin ist geplant, die Dauerausstellung 2016 zu erneuern. Hier haben wir die Zusage zur Mithilfe durch zwei Professorinnen der Universität Siegen.

Weiterhin sind Publikationen zur regionalen NS-Geschichte geplant. Unsere beiden letzten Publikationen „Gedenkblatt-Sammlung für die Opfer des Nationalsozialismus in Siegen und Hilchenbach Stolpersteine zur Erinnerung“ (2013) und „Denkmäler in Siegen. Eine Dokumentation zur politischen Erinnerungskultur im öffentlichen Raum“ (2014) sind fast vergriffen.

Magazin und Büroraum

Im Laufe der Jahre sind uns von Bürgerinnen und Bürger aus der Region zahlreiche Dokumente, Fotos und Exponate überlassen worden, die teilweise bei den ehrenamtlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu Hause gelagert werden. Mit der Schaffung von Archivräumen könnten diese Gegenstände dann fachgerecht in Archivräumen inventarisiert und gelagert werden. Ein kleiner Büroraum soll den ehrenamtlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen für ihre Arbeit vor Ort dienen.

Die größte Herausforderung für die Fortführung des Projekts „Museumserweiterung“, sind danach die laufenden Betriebskosten. Konnten wir aufgrund der Mitgliedsbeiträge und Spenden die bisherigen jährlichen Betriebskosten von 6000 – 8000 € stemmen, werden sich die Kosten mit der Übernahme einer weiteren Etage wohl auch verdoppeln. Hier wird dann die Suche nach regelmäßigen Geldquellen im Vordergrund stehen.

Wir erwarten 2015 eine Zusage für die Mittel der Erweiterung durch das Land NRW. Hier steht eine Förderung in Höhe von 70% im Raum, wobei die Stadt Siegen und der Kreis – wie in der Vergangenheit – die Restsumme übernehmen müssten. An Kosten für die Erweiterung um die zweite Etage sind von einem Architekturbüro 600 000 € berechnet worden.

Klaus Dietermann

Vorsitzender

9. Dezember 2014

 

 

 

 

 

 

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