JÜDISCHE SOLDATEN

Die Synagogengemeinde Siegen bestand vor dem Ersten Weltkrieg aus etwa 200 Personen. Während etwa 130 von diesen in Siegen wohnten, lebten die übrigen im Altkreis verteilt, die meisten von ihnen in der Stadt Hilchenbach. Während des vier Jahre dauernden Krieges, nahmen insgesamt 32 Männer aus der Gemeinde am Kriegsgeschehen teil. Sie kämpften an der Front im Osten wie im Westen. Begeistert waren sie mit ihren christlichen Kameraden in den Krieg gezogen. So konnten sie endlich ihre Zugehörigkeit zum Deutschen Reich beweisen. Endlich konnten sie für ihr Vaterland ihr Leben einsetzen, ihr Deutschtum beweisen. Sie wollten der Judenfeindlichkeit entgegentreten, die seit dem erstmaligen Auftreten des Berliner Hofpredigers Adolf Stoecker in unserer Region immer stärker zugenommen hatte. Acht Soldaten starben im Weltkrieg oder später an ihren Verwundungen in der Heimat.

Moritz Levy

Grabstein für Moritz Levy aus Weidenau bei Verdun

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der hohe Blutzoll änderte nichts am Fortbestehen des Antisemitismus nach dem Krieg. In Siegen tauchten Plakate und Flugblätter auf, worauf zu lesen war: „Überall grinst ihr Gesicht, nur im Schützengraben nicht“. Die „Dolchstoßlegende“ von konservativen und reaktionären Parteien wurde auch im Siegerland verbreitet. Sie besagte, dass die Niederlage auf „jüdische Kriegsgewinnler und Drückeberger“ sowie „Sozialisten und Pazifisten“ zurückzuführen sei. In der christlich-sozialen Zeitung „Das Volk“, die seit 1899 in Siegen herausgegeben wurde, veröffentlichte der Volksschullehrer Jakob Henrich während der gesamten Weimarer Republik antisemitische Artikel und Kommentare. Als Anfang Juni 1920 an der Siegener Synagoge eine Gedenktafel mit den Namen der Toten des Weltkriegs angebracht worden war, wurde die Synagoge in der Nacht erstmals geschändet.

Dagobert Meyer

Grabstein für Dagobert Meyer in Bligny bei Reims

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit dem Jahr 1933 begann dann die Ausgrenzung, Entrechtung und Verfolgung der Juden durch den Staat. Eine erste Fluchtwelle von Juden aus dem Siegerland begann. Sie fand ihren Höhepunkt nach dem Novemberpogrom 1938. Mit dem Auswanderungsverbot am 23. Oktober 1941 begann dann die Phase der Deportationen. Von den jüdischen Kriegsteilnehmern wurden zwölf mit ihren Familien in den Lagern ermordet. Sie hatten keine Möglichkeit der Flucht ins Ausland gefunden oder sie hatten keinen Grund dafür gesehen, hatten sie doch nichts Ungesetzliches getan. Diejenigen, die nun als Flüchtlinge rund über den Globus sich verteilten, fanden auch nicht unbedingt im Ausland eine bereitwillige Aufnahme.

 

Max Reiß

Todesanzeige Max Reiß

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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